Biogas ist aktuell die wichtigste Stromquelle unter den Erneuerbaren

Flexible Biomasse-Speicherkraftwerke produzieren auch an grauen Wintertagen.

Zur Erreichung der Klimaschutzziele hat der Bundestag einen schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien beschlossen. Schon bis 2030 soll der Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch auf 80 Prozent steigen. Gleichzeitig erfolgt der Ausstieg aus Atom und Kohle. Bereits in den nächsten Jahren werden erhebliche Stromerzeugungskapazitäten abgestellt und durch erneuerbare Energien ersetzt. Mit dem Fokus auf Wind und Sonne machen wir uns jedoch wetterabhängig. Was passiert in Zeiten, in denen sehr wenig erneuerbarer Strom erzeugt wird, weil es dunkel und windstill ist –  in sogenannten Dunkelflauten? Kommt es dann zum Stromausfall?

In diesen Zeiten springen flexible Backup-Kraftwerke ein, die bislang überwiegend mit fossilen Energien betrieben werden. Biogas-Speicherkraftwerke können einen bedeutenden Anteil dieser fossilen Kraftwerksleistung ersetzen.

Bewölkt und windstill – so sieht es dieser Tage in weiten Teilen Deutschlands aus. Wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, wird Biomasse zur wichtigsten erneuerbaren Stromquelle. So lag die Stromerzeugung aus Biomasse laut Bundesnetzagentur am 29. November 2022 beispielsweise mit einer Leistung von 116 GWh über der Leistung aus Wind (103 GWh) und PV (15 GWh).

Flexibel betriebene Biogasanlagen, sogenannte Speicherkraftwerke, erzeugen Strom schon heute zuverlässig entsprechend des Bedarfs. Dies zeigt die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) mit dem Vorhaben VisuFlex – Visualisierung der Netz- und Systemdienlichkeit flexibilisierter Biogasanlagen. Auf der Website https://visuflex.fnr.de/visualisierung ist die Stromerzeugung ausgewählter, zukunftsweisend flexibilisierter Biogasanlagen den Strompreisen und der Residuallast in Echtzeit gegenübergestellt. Dabei wird deutlich, dass die Stromeinspeisung aus Biogas sehr genau der Residuallast, also der Differenz zwischen erneuerbarer Stromerzeugung und dem Strombedarf, folgt. Bei hoher Netzbelastung lassen sich die Biogas-Blockheizkraftwerke (BHKW) herunterfahren, um das Netz freizumachen für Wind- und Solarstrom. Bei Strombedarf hingegen eignet sich Biogas als Reservekapazität und wird so zur „Batterie“ für Engpasszeiten.

Speicherkraftwerk Gut Rixdorf. Bild: Wilken von Behr

Biogasanlagen trugen im Jahr 2021 mit knapp 13 % einen wesentlichen Anteil zur erneuerbaren Stromerzeugung bei. Die rund 9.000 Anlagen in Deutschland haben eine installierte Leistung von 6,4 GW, mit der sie 31,3 TWh Strom nachhaltig, klimafreundlich und aus heimischen Rohstoffen erzeugten. Darüber hinaus wurden 17,4 TWh thermische Energie bereitgestellt, die ausreicht, um etwa 1,5 Mio. Haushalte mit Wärme zu versorgen. 2 GW der installierten BHKW-Leistung, das entspricht der Leistung von zwei Atomkraftwerken, dienen der flexiblen Strombereitstellung – diese Anlagen wurden in den letzten Jahren eigens für diese Aufgabe umgebaut. Während die sonstigen Biogasanlagen überwiegend Dauerläufer sind, also rund um die Uhr Strom für die sogenannte Grundlast erzeugen, produzieren die Speicherkraftwerke Strom, um Bedarfsspitzen abzudecken.

Alle Biogasanlagen ersetzen direkt fossiles Erdgas für die Strom- und Wärmebereitstellung, flexibilisierte Biogasanlagen sind jedoch besonders wertvoll für das Energiesystem der Zukunft mit hohen Wind- und Solaranteilen. „Durch die Flexibilisierung weiterer Biogasanlagen könnten zusätzlich etwa 10 – 15 GW flexible Spitzenleistung bereitgestellt werden; bei Erschließung aller Potenziale für die Biogaserzeugung sogar über 30 GW. Zu Zeiten hoher Residuallast ließe sich so mehr als die Hälfte des prognostizierten Leistungsbedarfes durch Biogas decken“, erklärt Uwe Welteke-Fabricius vom Flexperten-Netzwerk.

Wolfram Wiggert aus Baden-Württemberg betreibt das Speicherkraftwerk Haslachhof. In den vergangenen Jahren hat er in zusätzliche BHKW, Wärme- und Gasspeicher investiert und seine Anlage von 500 KW Grundlastbetrieb zu einem 2,6 MW-Speicherkraftwerk umgerüstet. Seitdem produziert er höchstflexibel Strom und versorgt ca. 250 Haushalte mit Wärme. Die jüngste Debatte der Bundesregierung um die Strompreisbremse und die damit geplante Erlösabschöpfung bei der Stromerzeugung aus Biogas verunsichern ihn allerdings. „Würden die Erlöse aus der Stromvermarktung abgeschöpft, gäbe es für mich keinen Anreiz mehr, meine Biogasanlage flexibel zu betreiben“, so Wiggert. „Die Investitionen in mein Speicherkraftwerk kann ich mit den geplanten Vergütungen dann nicht mehr finanzieren“.

Die bedarfsgerechte Stromerzeugung aus Biogas ist wichtiger Bestandteil für das Gelingen der Energiewende und trägt zu einer nachhaltigen und klimafreundlichen Energieversorgung aus heimischen Rohstoffen bei. Seit Inkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Gesetz im Jahr 2014 wird für Biogasanlagen der Ausbau hin zu einer flexiblen und bedarfsgerechten Stromerzeugung gefördert. Entsprechend des RePowerEU-Plans zielt die Europäische Kommission darauf ab, den Biomethananteil von aktuell 18 Milliarden Kubikmeter auf 35 Milliarden im Jahr 2030 zu steigern.

Sofern die Rahmenbedingungen stimmen, will Wiggert seinen Gas- und Wärmespeicher in den nächsten Jahren noch einmal erweitern, um die Ziele der Bundesregierung bei der Energiewende weiter zu unterstützen. Dafür braucht es aber verlässliche Rahmenbedingungen, die den Betreibern und Kreditinstituten Investitionen in die Zukunft erlauben.       

Weitere Informationen:
Das Best-Practice-Video zum Speicherkraftwerk Haslachhof wurde durch die FNR mit Mitteln des BMEL gefördert:  https://www.youtube.com/watch?v=0Ptem2rrzHE

Ansprechpartner:
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.
Jessica Hudde
Tel.:        +49 3843 6930-206
E-Mail:   j.hudde(bei)fnr.de 

Advertisement

Verpackungsalternativen


Biobasierte, kompostierbare und biologisch abbaubare Kunststoffe sind Alternativen zu den herkömmlichen Verpackungen. Das hat die Europäische Kommission in einer Mitteilung zu Verpackungsalternativen vom 30.11.2022 dargelegt, wie der von der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament herausgegebene Informationsdienst „EU-kommunal“ in seiner Dezember-Ausgabe darlegt. Damit wird zeitgleich mit Verbotsvorschriften, insbesondere für die herkömmlichen Kunststoffverpackungen, aufgezeigt, welche echte Umweltvorteile die alternativen Verpackungsmaterialien bringen und wie sie gestaltet, entsorgt und recycelt werden sollen.

Grundlage ist ein Synopsis-Bericht zum Thema biobasierte Kunststoffe (BBP) und biologisch abbaubare und kompostierbare Kunststoffe (BDCP). Dieser Bericht dokumentiert die durchgeführten Konsultationsaktivitäten und beschreibt die Ergebnisse jeder Konsultation. Zur Beseitigung von Unklarheiten in Bezug auf biobasierte, biologisch abbaubare und kompostierbare Kunststoffe gibt es u.a. folgende klarstellende Hinweise:

  • Biomasse, die zur Herstellung biobasierter Kunststoffe verwendet wird, muss aus nachhaltigen Quellen stammen, ohne dass die Umwelt geschädigt wird und unter Berücksichtigung des Grundsatzes der Kaskadennutzung von Biomasse. Hersteller sollten als Ausgangsstoffe in erster Linie organische Abfälle und Nebenprodukte verwenden. Zur Vermeidung von „Grünfärberei“ müssen Hersteller außerdem generelle Angaben auf Kunststoffprodukten wie „Bioplastik“ und „biobasiert“ vermeiden und den genauen und messbaren Anteil biobasierten Kunststoffs im Produkt angeben (z.B: „Das Produkt enthält 50% biobasierten Kunststoff“).
  • Biologisch abbaubare Kunststoffe müssen mit Vorsicht angegangen werden und dürfen keinesfalls achtlos weggeworfen werden. Es muss gekennzeichnet werden, wie lange es dauert, bis sie biologisch abgebaut sind, und unter welchen Umständen und in welcher Umgebung dies möglich ist. Produkte, die achtlos weggeworfen werden könnten, darunter die unter die Richtlinie über Einwegkunststoffartikel fallenden Produkte, dürfen nicht als biologisch abbaubar ausgegeben oder gekennzeichnet werden.
  • Industriell kompostierbare Kunststoffe sollten nur dann verwendet werden, wenn ein geeignetes System zur Sammlung und Behandlung von Bioabfällen vorhanden ist. Diese Verpackungen sind nur zulässig für Abfallsäcke für die getrennte Sammlung von Bioabfällen, Tragetaschen aus sehr leichtem Kunststoff, Teebeutel, Kaffeepads aus Filterpapier, Aufkleber für Obst und Gemüse. Auf den Produkten muss stets angegeben werden, dass sie im Einklang mit EU-Standards für die industrielle Kompostierung zertifiziert sind.

Mit den klarstellenden Hinweisen soll der Verwirrung ein Ende gesetzt werden, welche Verpackung in welchen Recyclingbehälter gehört. Jede Verpackung wird mit einem Etikett versehen, aus dem hervorgeht, woraus sie gemacht ist und in welchen Abfallbehälter sie gehört, und die Abfallbehälter werden die gleichen Etiketten tragen. Dabei werden künftig EU-weit dieselben Symbole verwendet.


		

Textilfasern aus Stroh

Neue, nachhaltige Rohstoffquellen für Cellulosefasern erschließen – aber wie? Cellulosische Textilfasern wie Viskose oder Lyocell basieren bislang fast ausschließlich auf Zellstoff aus Holz. Der Faserexperte J. Rettenmaier & Söhne und die Universität Hamburg wollen nun die Rohstoffbasis für diese Fasern verbreitern und mit Stroh ein ohnehin anfallendes, landwirtschaftliches Nebenprodukt dafür nutzbar machen. Wie am 7. November 2022 von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe FNR) bekannt gemacht wurde, wird das bis Ende 2024 laufende Vorhaben CRF-Straw vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über den Projektträger (FNR) gefördert.

Vorarbeiten der Projektpartner haben bereits gezeigt, dass sich hochreine Zellstoffe aus Weizenstroh gewinnen lassen. Für die Weiterverarbeitung zu Textilfasern mit dem Lyocellverfahren erreichten bestimmte Parameter aber noch nicht die erforderlichen Werte. Das Vorhaben CRF-Straw zielt darauf, das Verfahren so weiter zu optimieren, dass der Stroh-Zellstoff künftig die hohen Anforderungen für die Lyocellfaserproduktion erfüllt. Der Ansatz soll dabei nicht nur im Labor funktionieren, sondern auch im industriellen Maßstab. Dazu führen die Forschenden auch Versuche in einem Zellstoffwerk durch.

Eine junge Frau sitzt auf einem Rundballen aus Stroh. Bild: volhavasilevich – stock.adobe.com

Die Suche nach dem Holzersatz findet vor dem Hintergrund einer wachsenden Weltbevölkerung und einer steigenden Nachfrage nach Textilfasern statt. Synthetische und Baumwollfasern werden diese Nachfrage allein nicht decken können, so dass auch der Bedarf an Cellulose-Fasern künftig voraussichtlich stark wächst. Doch woher soll die Cellulose kommen? Bäume wachsen langsam, die Holznachfrage für andere Zwecke nimmt ebenfalls zu und Plantagen mit schnellwachsenden Baumarten wie Bambus oder Eukalyptus beanspruchen Flächen und sind mitunter auch mit Umweltproblemen verbunden. Dem gegenüber versprechen agrarische Reststoffe wie Getreidestroh oder Bagasse aus dem Zuckerrohranbau Vorteile. Diese Biomasse ist „eh da“ und wird noch nicht vollständig genutzt. Als heimischer Reststoff ist Getreidestroh bei uns besonders interessant; das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) schätzt, dass das ungenutzte Strohpotenzial in Deutschland zwischen gut 4 und gut 9 Mio. Tonnen[1] pro Jahr beträgt. Zum Vergleich: Die Weltproduktion von holzbasierten Chemiezellstoffen[2] lag 2021 bei 8,6 Mio. Tonnen. Die Zellstoffausbeute aus einem Kilogramm Stroh liegt bei rund 40 Prozent. Zu bedenken ist allerdings, dass auch andere Verwender bereits ein Auge auf das große Strohpotenzial geworfen haben, so eignet sich der Rohstoff auch als Dämmstoff oder Energielieferant. 

Vorteilhaft gegenüber Holz wäre schließlich auch der deutlich geringere Energie- und Chemikalienverbrauch beim Faseraufschluss von Stroh und anderen Einjahrespflanzen. Damit würde das neue Verfahren nicht nur Landwirten zusätzliche Wertschöpfungsoptionen bieten und zur Rohstoffversorgung der Textilindustrie beitragen, es würde die Textilproduktion auch umweltfreundlicher machen.

Das Vorhaben CRF-Straw fokussiert aus wirtschaftlichen Gründen zunächst auf Stroh. Perspektivisch wollen die Forscher auch weitere potenzielle Cellulosequellen untersuchen, wie zum Beispiel Gras bzw. Heu, Hanf, Flachs und weitere Faserpflanzen.

Informationen und Ansprechpartner stehen unter folgenden Förderkennzeichen bereit:

2221NR061A – https://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=2221NR061A
und
2221NR061B – https://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=2221NR061B

Hintergrund:
In Asien wird Zellstoff u. a. aus Bambus bereits im größeren Maßstab gewonnen. 2021 nahm in Mannheim das erste strohbasierte Zellstoffwerk Europas seinen Betrieb auf, das Papierzellstoff u. a. für Hygienepapiere produziert. Eine ähnliche Anlage gibt es in den USA. Für Textilfasern ist die Nutzung von strohbasierter Cellulose bislang noch nicht etabliert.

Holz als Pharma-Rohstoff – Verfahren für neue Buchenholz-Bioraffinerie

Mit den Ergebnissen des Forschungsprojekts Xylosolv steht nun die weltweit erste industrielle Extraktionsanlage für Xylan aus Buchenholz vor der Realisierung. Projektpartner eines Forschungsverbundes – gefördert über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) mit Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) – haben ein hydrothermales Trennverfahren für Buchenholz weiterentwickelt, so dass sich hochreine Kohlenhydrate auch im großen Maßstab effizient extrahieren lassen.

Wurzel einer Buche. Foto: FNR / L. Pohlan (Creative Commons)

Im Labor war die Abtrennung von hochreinem Xylan aus Buchenholz bereits gelungen. Allerdings mit noch geringer Effizienz, sodass nur zehn Prozent der Biomasse genutzt werden konnten und große Mengen an Rückständen anfielen. Daher setzten sich Forschende des Fraunhofer-Zentrums für Chemisch-Biotechnologische Prozesse (CBP), der Unternehmen HV-Polysaccharides (HVP) und Glatt Ingenieurtechnik (GIT) zusammen, um dieses Trennverfahren zu optimieren und in einen Pilotanlagenmaßstab zu überführen, wobei im Prozess neben Xylan auch andere Holzbestandteile wie Lignin und Faserstoff nutzbar werden.

PHARMAZEUTISCHE ANWENDUNG

Xylan und Lignin sind Bestandteile des Buchenholzes. Sie dienen als Hemizellulosen und Lignozellulosen der Zellwand als Stützgewebe. Lassen sich diese schwer löslichen Kohlenhydrate sehr rein extrahieren, sind sie als Pharma-Rohstoffe interessant. Potenzielle Anwendungsfelder liegen in der Behandlung von Adipositas, Diabetes, Thrombose, Dermatitis, virale Infektionen und Krebs. Für ligninhaltige Rezepturen wurde bereits der Weg in die pharmazeutische Zulassung zur Behandlung von Diarrhö geebnet.

Xylan-Extraktion – Xylan aus Buchenholz

Die HV-Polysaccharides (HVP) aus Thüringen hatte in einem vorangegangenen Forschungsprojekt ein hydrothermales Verfahren entwickelt, womit Xylan in einer bis dahin nicht realisierten Qualität extrahiert werden kann. Dadurch wird das Kohlenhydrat als Grundstoff für pharmazeutische Wirkstoffe interessant und verspricht sehr hohe Marktpreise.

Organosolov – Lignin aus Buchenholz

Das Fraunhofer-Institut für Chemisch-Biotechnologische Prozesse (CBP) in Leuna entwickelte in Zusammenarbeit mit der Linde Dresden Engineering GmbH wiederum das Verfahren Organosolv, mit dem sich nur mittels Wasser und Alkohol auf einem entsprechend hohem Temperatur- und Druckniveau hochreines Lignin aus Buchenholz herauslösen lässt.

Xylosolv – Xylan und Lignin aus Buchenholz

Im Projekt Xylosolv sollten diese beiden Prozesse gekoppelt und in zahlreichen Versuchsreihen die einzelnen Verfahrensschritte in einer Bioraffinerie‑Pilotanlage des Fraunhofer CBP optimiert werden. Ziel war es, dann auf Basis dieser Ergebnisse die Grundlagen für eine wirtschaftliche Umsetzung des kombinierten Verfahrens zu schaffen und in ein entsprechendes Anlagenkonzept zu überführen.

Nach zweijähriger Projektzeit können die Partner gute Ergebnisse vorweisen. Wenn auch ein zunächst angedachter kontinuierlicher Prozess nicht realisiert werden konnte, weil dadurch die gewünschten Xylanspezifikationen ausblieben, so konnten die Forschenden doch ein mehrstufiges Verfahren zur Extraktion der anvisierten Bestandteile aus Buchenholz entwickeln, das eine genaue Steuerung der Eigenschaften erlaubt, eine hohe Xylan-Ausbeute erzielt und den Einsatz von organischem Lösungsmittel einspart.

BUCHENHOLZXYLAN

Die Extraktion von Xylan aus Buchenholz mit Hilfe von Wasser ist prinzipiell seit langem bekannt, wurde aber aufgrund der komplexen Prozessführung bisher nicht im industriellen Maßstab durchgeführt. Die zur Gewinnung von Buchenholzxylan angewandten Prozesse führten in der Vergangenheit wiederholt zu Schwankungen in der Qualität des hergestellten Xylans, sodass die Anwendung, insbesondere als Grundstoff für die Herstellung pharmazeutischer Wirkstoffe, infrage stand. Darüber hinaus ist der bisherige Herstellungsprozess aus Umwelt-, Arbeits- und Gesundheitsschutzerwägungen nicht mehr zeitgemäß. Die verarbeitenden pharmazeutischen Unternehmen sind derzeit auf die Verwendung von Restbeständen angewiesen.

Buchenholz-Bioraffinerie für 2025 geplant

In Planung: Das Anlagenkonzept der XyloSolv-Extraktionsanlage in einer 3D-Skizzenansicht. Der Bau ist am Standort Bucha in Thüringen für 2025 vorgesehen. Quelle: Jens-Peter Mendelsohn / FNR

Aufgrund der positiven Projektergebnisse aus Xylosolv plant die HVP für 2025 nun die Umsetzung des Verfahrens in einer ersten Produktionsanlage für Xylan aus Buchenholz am Standort Bucha. Das Vorhaben wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) gefördert. Der Abschlussbericht steht auf fnr.de unter dem Förderkennzeichen 22021218 zur Verfügung.

Hintergrund:

Das Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse (CBP) in Leuna schließt durch die Bereitstellung von Infrastruktur und Technikumsanlagen die Lücke zwischen Labor und industrieller Umsetzung. So ermöglicht es Partnern aus Forschung und Industrie, biotechnologische und chemische Prozesse zur Nutzung nachwachsender Rohstoffe bis in produktrelevante Dimensionen zu entwickeln und zu skalieren.

Die HV-Polysaccharides (HVP) wurde 2016 von Dr. Holger Wondraczek in Bucha mit dem Ziel gegründet, spezielle Pflanzeninhaltsstoffe (insbesondere Polysaccharide) für Anwendungen mit hohen qualitativen Anforderungen herzustellen, zu vertreiben und damit zusammenhängende Dienstleistungen zu erbringen. Das von der HVP konzipierte Trennverfahren für Xylan aus Buchenholz ist wasserbasiert und erlaubt dabei den kompletten Verzicht auf die sonst für den Pflanzenaufschluss üblichen Chemikalien.

Die Glatt Ingenieurtechnik GmbH, zugehörig zur weltweit agierenden Glatt-Gruppe, bringt eine langjährige und marktführende Expertise aus der Verfahrenstechnik und dem Apparatebau für Herstellung, Verarbeitung und Konfektionierung von dispersen Stoffsystemen mit. Im Mittelpunkt stehen dafür die Wirbelschichttechnik aber auch stoff- und anforderungsspezifische Alternativtechnologien. Mit der Übernahme der Mitarbeiter der Sparte „Biotechnologieanlagen“ aus dem Linde-Konzern konnten diese Kompetenzen Anfang 2016 um das Engineering biochemischer Prozess- und Anlagen erweitert und – gerade im Bereich Pharma – kombiniert werden.

Unter dem Mikroskop erinnert es an Wattebäusche, ist aber hochreines, getrocknetes Xylangranulat. Aufgrund der sehr guten Rieselfähigkeit, des hohen Trockengehaltes und weil es staubfrei ist, lässt es sich hervorragend verarbeiten. Quelle: Glatt Ingenieurtechnik GmbH

Die FNR ist seit 1993 als Projektträger des BMEL für das Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe aktiv. Sie unterstützt außerdem Forschungsthemen in den Bereichen nachhaltige Forstwirtschaft und innovative Holzverwendung.

Verbundvorhaben: Sequentielles Extraktionsverfahren zur Gewinnung hochwertiger Intermediate aus Buchenholz (XyloSolv); – Akronym: XyloSolv

Teilvorhaben 1: Prozessentwicklung: https://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=22021218

Teilvorhaben 2: Anwendungstechnische Untersuchung: https://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=2219NR174

Teilvorhaben 3: Untersuchungen zur Skalierbarkeit https://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=2219NR175

Ansprechpartner:
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.
Dr. Dietmar Peters, Tel.:    +49 3843 6930-109, Mail: d.peters(bei)fnr.de

Biobasierte Autokarosserie für die Straßenzulassung in greifbarer Nähe

Noch kann man dieses Fahrzeug nicht zum Ende seines Lebens essen – statt es verschrotten zu lassen, aber ein erster Schritt in diese Richtung ist eine Straßenzulassung für eine biobasierte Autokarosserie. Das deutsche Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert seit Oktober 2020 die Entwicklung einer Auto-Karosserie mit einem hohen Anteil nachwachsender Rohstoffe. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung, Wilhelm-Klauditz-Institut WKI und der HOBUM Oleochemicals GmbH wollen einen Bioverbundwerkstoff aus Pflanzenfasern und pflanzenölbasierten Harzsystemen entwickeln, der industriell zu Karosseriebauteilen verarbeitet werden kann. Mit dem Bioconcept-Car – siehe nachstehendes Foto – als Testmodul optimieren sie die technische Performance der Bauteile bis zur serienreifen Straßenzulassung.

Bioconcept-Car Porsche GT4 mit Karosserie-Bauteilen aus Bioverbundwerkstoffen, Quelle: FNR/Norbert Breuer

Bioconcept-Car Porsche GT4 mit Karosserie-Bauteilen aus Bioverbundwerkstoffen, Quelle: FNR/Norbert Breuer

Über das Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe unterstützt das BMEL seit einigen Jahren die Entwicklung biobasierter Werkstoffe im Karosseriebau. Jetzt startete das dreijährige Verbundprojekt „Biobasierte Harze für die serielle Verarbeitung faserverstärkter Bauteile (BioResinProcess)“. Lag der Fokus der Förderung bisher vor allem auf den Naturfasern, richtet sich der Blick nun verstärkt auf biobasierte Harzsysteme.

BioResinProcess knüpft nahtlos an das im Sommer 2020 abgeschlossene Förderprojekt „Nachhaltiger Biohybrid-Leichtbau für eine zukunftweisende Mobilität“ an. Dort ist erstmals die Serienfertigung eines Karosseriebauteils aus naturfaserverstärkten Werkstoffen gelungen. Im Folgeprojekt soll der Bioanteil der Bauteile auf mindestens 85 % erhöht und ihre Verarbeitung mit dem RTM (Resin-Transfer-Moulding)-Verfahren optimiert werden. Weitere Stationen in der industriellen Fertigung sind die Oberflächenbearbeitung und die abschließende Lackierung. Für beide Schritte werden geeignete biobasierte Lösungen gesucht.

Das Ziel ist, ein Serienbauteil aus biobasierten Verbundwerkstoffen im Hinblick auf die Anforderungen einer Straßenzulassung zu konzipieren. Ein besonderer Reiz dieses Projekts liegt in der Zusammensetzung der Partner. Mit dem Fraunhofer WKI und mit der HOBUM GmbH sind für die Werkstoffseite die anwendungsnahe Forschung und ein industrieller Partner vertreten. Die Automobilbranche ist mit der Porsche AG, die als assoziierter Partner ihr technisches Knowhow einbringt, direkt beteiligt. Eine hohe Aufmerksamkeit sowohl in der Automobilbranche als auch der breiten Öffentlichkeit entsteht durch das Rennteam Four Motors, das die entwickelten Karosseriebauteile unter realen Bedingungen testet und mit seinem Promifahrer, dem Musiker Smudo, die mediale Berichterstattung befeuert.

Parallel zum Ziel einer Straßenzulassung arbeiten die Partner an der Steigerung des Anwendungspotenzials von Bioverbundwerkstoffen. Bioverbundwerkstoffe sind nicht nur im Automobilbau gefragt, vielmehr setzen verschiedene Industriebereiche große Hoffnung auf diese innovativen Materialien, die einen preisgünstigen Leichtbau ermöglichen.

Damit knüpft das Forschungsprojekt BioResinProcess an die Nationale Bioökonomiestrategie der Bundesregierung an. Mit Karosseriebauteilen aus nachwachsenden Rohstoffen lässt sich anschaulich darstellen, wie der Umbau zu einer nachhaltigen, kreislauforientierten Wirtschaft auf Basis biogener Rohstoffe funktionieren kann. Darüber hinaus verdeutlicht der Einsatz von Pflanzenfasern und Pflanzenölen für die Herstellung von Bioverbundwerkstoffen die wichtige Rolle der Land- und Forstwirtschaft als Rohstoffproduzent und –lieferant. Um die Potenziale biogener Rohstoffe erschließen können, wird allerdings noch eine Forschungsförderung, wie sie das Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe des BMEL leistet, gebraucht.

Zugehörige Links:
Verbundvorhaben: Biobasierte Harze für die serielle Verarbeitung faserverstärkter Bauteile (BioResinProcess)

Teilvorhaben 1: Materialentwicklung und Prozessanpassung (https://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=2220NR094A)

Teilvorhaben 2: Entwicklung biobasierter Härter für Epoxidharze auf Basis von pflanzlichen Ölen (https://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=2220NR094B)

Nationale Bioökonomiestrategie (https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/nationale-biooekonomiestrategie-langfassung.html)

BMEL-Pressemeldung Nationale Bioökonomiestrategie (https://www.bmel.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2020/006_biooekonomiepolitik.html)

Zugehörige Dateien

Geschäftsmodelle für Bioenergiedörfer

Transferplattform energiewendedörfer.de zeigt Post-EEG-Perspektiven auf

Mit dem Portal https://energiewendedörfer.de stellen die Universität Kassel und die Georg-August-Universität Göttingen erste Ergebnisse aus dem Verbundprojekt „Innovative Konzepte und Geschäftsmodelle für zukunftsfähige Bioenergiedörfer – klimafreundlich, demokratisch, bürgernah“  vor.  Insbesondere werden Konzepte für Bioenergie- bzw. Biogasanlagen entwickelt, die einen weiteren wirtschaftlichen Betrieb im Anschluss an die bisherige 20-jährige EEG-Phase ermöglichen können.

Nahwärmeversorgung aus Biomasse und Solarthermie im Bioenergiedorf Mengsberg, Quelle: Bioenergiegenossenschaft Mengsberg eG

EEG steht bekanntlich für Erneuerbare Energie-Gesetz. Mit Handlungsempfehlungen aus den Bereichen Reststoffnutzung, alternative Energiepflanzen, Optimierung der Wertschöpfung durch Kreislaufwirtschaft, zukünftige Stromvermarktung, effiziente Wärmenetze und Sektorenkopplung der Bioenergie mit anderen erneuerbare Energien werden Bioenergiedörfern bzw. Betreibern von Energieanlagen mögliche neue Geschäftsmodelle aufgezeigt. Die Forscher arbeiten dazu in sogenannten Reallaboren mit den Bioenergiedörfern Krebeck/Wollbrandshausen und Altenmellrich/Anröchte zusammen, um die neuen Modelle unter Praxisbedingungen auf ihre Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit untersuchen zu können.

Die Plattform https://energiewendedörfer.de bietet neben Handlungsempfehlungen auch Informationen zu Biomasse- bzw. Reststoffpotenzialen und eine GIS-Karte, die die Bioenergiedörfer in Deutschland und deren Maßnahmen und Technologien vorstellt. Diese ermöglicht u. a. eine gezielte Suche nach eingesetzten Brennstoffen bzw. Substraten und den angewandten Technologien. Sie richtet sich an alle Interessenten, die sich in ihren Orten bzw. Kommunen für eine Energie- und Wärmewende engagieren.

Die im Jahr 2021 beginnende CO2-Bepreisung fossiler Energieträger schaffen verbesserte Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Wärme- und Stromversorgung auf Grundlage erneuerbarer Energien, zudem unterstützen attraktive Förderprogramme und das Gebäudeenergiegesetz Kommunen beim Umstieg auf eine erneuerbare Wärmeversorgung. Umfangreiche Informationsangebote auf energiewendedörfer.de sowie die Leitfäden, Marktübersichten und sonstigen Serviceangebote der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) bieten die nötigen Hilfen, um die Energiewende in Kommunen voranzubringen.

Das Verbundprojekt „Innovative Konzepte und Geschäftsmodelle für zukunftsfähige Bioenergiedörfer – klimafreundlich, demokratisch, bürgernah“ wird in Deutschland vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über den Projektträger FNR gefördert. Informationen zum Projekt stehen auf https://energiewendedörfer.de und in der FNR-Projektdatenbank auf http://www.fnr.de unter den Förderkennzeichen „22405817“ und „22405218“ zur Verfügung.

Verwandte Links

(Nah-) Wärme aus Stroh und Heu – Planungsleitfaden für Heizwerke

Allein in Deutschland werden ca. 10 Millionen Tonnen Heu bzw. Stroh produziert, die verheizt werden könnten. Eine echte Innovation also – nicht nur für Landwirte, sondern auch für diejenigen, die sich zutrauen, ggfs. Heu und Stroh dazukaufen zu können – für im Außenbereich liegende Gebäude etwa, wie z. B. Hotels oder andere. Hier ein Text vom 16. März 2020, der von der  Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) herausgegeben wurde:

Im Projekt „Wirtschaftlichkeit verschiedener Wertschöpfungsketten von halmgutbasierten Heizwerken mit Nahwärmenetzen“ analysierte die Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LFA) mehrere Halmgutheizwerke und ein Strohheizkraftwerk. Im Ergebnis steht jetzt der Leitfaden „Halmgutheizwerke – Wirtschaftlichkeit und Planungsrichtwerte“ zur Verfügung.

Moderne Halmgut-Heizkessel sind effizient, emissionsarm und erreichen hohe Wirkungsgrade. Stroh aus der Landwirtschaft, Halmgut aus der Landschaftspflege sowie von Flächen, die aus naturschutzfachlichen Gründen einmal jährlich gemäht werden, stehen mit jährlichen Mengen von über 10 Mio. Tonnen für eine energetische Nutzung zur Verfügung. Das entspricht einem Energiegehalt von etwa 140 PJ und liegt damit immerhin in der Größenordnung der derzeitigen Energie-Erzeugung aus Photovoltaik in Deutschland. Trotz dieser hoffnungsvollen Voraussetzungen werden bisher jedoch nur vergleichsweise wenige Heizwerke mit Stroh, Heu, Paludibiomasse, Miscanthus oder sonstigem Halmgut betrieben.

Mit dem Ziel, Landwirten und Kommunen fundierte Informationen zum Heizen mit Halmgut geben zu können, untersuchte die LFA vier mit Stroh bzw. Heu zur Nahwärmeversorgung betriebene Heizwerke (500 bis 1.000 kW) und ein Stroh-Heizkraftwerk (49 MW), bestimmte die Wärme- bzw. Energiegestehungskosten in Abhängigkeit von der Anlagenauslastung sowie die Erfolgsfaktoren. Zur Beurteilung der Wettbewerbsfähigkeit wurden den Wärmegestehungskosten von Halmgutheizwerken die einer Wärmeversorgung für Haushalte und Industrie aus Erdgas-Heizwerken gegenübergestellt. Im Ergebnis der Berechnungen zeigen sich Halmgutheizungen bei günstigen Standortbedingungen und hinreichender Anlagenauslastung als wirtschaftlich vorzüglich.

Besondere Vorteile haben Halmgutheizwerke in Bezug auf die Vermeidung von Treibhausgasemissionen. Bei Nutzung von Stroh und Heu werden in den untersuchten Heizwerken zwischen 9 und 15 g CO2 Äq/MJ Treibhausgasemissionen und damit um bis zu 89 % weniger als bei einem Gasheizwerk emittiert. Stroh und Heu sind als Brennstoff klimaneutral, auch deren Vorketten zur Bereitstellung als Brennstoff weisen nur sehr geringe CO2-Emissionen aus. Mit modernen Halmgutheizwerken kann also eine weitgehend klimaneutrale Wärmebereitstellung erfolgen. Auch Staubemissionen gelten bei Halmgutheizkesseln dank deutlichem technischem Fortschritt nicht mehr als Problem. Mit Gewebefiltern und elektrostatisch wirkenden Feinstaubabscheidern lassen sich die geltenden Staub-Grenzwerte von 20 mg/Nm³ deutlich unterschreiten, bei einem der untersuchten Heizwerke – vertraglich geregelt – gar auf unter 3 mg/Nm³.

Auf Grundlage der Ergebnisse des Forschungsprojekts hat die LFA den Leitfaden „Halmgutheizwerke – Wirtschaftlichkeit und Planungsrichtwerte“ veröffentlicht. Der Leitfaden unterstützt Landwirte und Landschaftspflegeverbände, Bioenergiedörfer und sonstige Kommunen bei der Planung und Umsetzung von Halmgutheizwerken.

Aus Förderprogrammen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie wird das Heizen mit Biomasse, und so auch mit Halmgut, über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (www.kfw.de) und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (www.bafa.de) mit hohen Zuschüssen oder zinsgünstigen Darlehen unterstützt. So liegen die aktuellen Förderquoten bei der Installation von Biomasseanlagen (incl. Speicher, Pumpen, Heizkörper und Installationsaufwand) bei 35 %, bei Austausch alter Ölheizkessel sogar bei bis zu 45 % der zuwendungsfähigen Kosten.
Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) betreut als Projektträger des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) Forschungs- und Entwicklungsprojekte zur energetischen Nutzung von Biomasse und veröffentlicht Fachinformationen zum Heizen. Broschüren, Marktübersichten und Informationsgrafiken stehen auf https://heizen.fnr.de sowie unter https://mediathek.fnr.de zur Verfügung.

Verwandte Links

Biobasierte Produkte fürs Büro

buerobedarf_anschoe_mg_3192_360x330

Wer Büroartikel ersetzen möchte, die aus begrenzten und erdölbasierten Rohstoffen bestehen, kann auf eine große Produktauswahl auf der Basis von Pflanzen zurückgreifen. Rund 200 Produkte hat das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Rahmen einer Marktstudie im Auftrag der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) ermittelt.

Auf www.die-nachwachsende-produktwelt.de finden öffentliche und private Konsumenten Produktalternativen aus nachwachsenden Rohstoffen in großer Auswahl. Auch die vom IÖW recherchierten Büroartikel wurden dort aufgenommen.

Das IÖW fragte Beschaffungsvolumina und –kriterien für Büroartikel bei der obersten Bundesverwaltung, den einzelnen Dienststellen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), in den Landesverwaltungen und exemplarisch bei einigen Kommunen mit mehr als 500.000 Einwohnern ab. Auf Basis dieser Angaben rechneten die Autoren der Studie hoch, dass der öffentliche Sektor knapp 100 Mio. Euro pro Jahr für Büroartikel ausgibt.

Die Analyse des Anbietermarktes zeigte, dass es bereits heute in der Kategorie „Bürobedarf“1 60 Prozent der für die öffentliche Hand relevanten Produkte auch aus nachwachsenden Rohstoffen gibt. Bei „Stiften und Schreibwaren“ sind es sogar 75 Prozent. Die Nachfrage der öffentlichen Hand ist allerdings noch verhalten. Das IÖW schlussfolgert, dass biobasierte Produkte im öffentlichen Einkauf insbesondere dann verstärkt berücksichtigt werden, wenn die einzelnen Geschäftsbereiche ihren Vergabestellen einen solchen Bedarf explizit anzeigen. Hilfreich ist es auch, die oftmals sehr umfangreichen Ausschreibungen für Büroartikel in Einzellose aufzuteilen: Anbieter biobasierter Büroartikel sind häufig kleine und mittelständische Betriebe, die in der Regel einzelne innovative Produkte oder Produktserien herstellen und anbieten können.

Während Büroprodukte aus Papier und Holz häufig mit Umweltsiegeln ausgezeichnet sind, ist dies bei solchen aus Naturkautschuk oder Biokunststoff nur selten der Fall. Eine Ausnahme ist das Umweltzeichen „Blauer Engel DE-UZ 200 Schreibgeräte und Stempel“: Es wird unter anderem für Stifte und Stempel vergeben, die zu mindestens 60 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen, für die der Hersteller zudem die nachhaltige Herkunft belegen muss. Aktuell tragen lediglich die Textmarker eines einzigen Unternehmens diesen Blauen Engel für die Verwendung von Biokunststoffen aus Zuckerrohr.

Der Abschlussbericht der Marktstudie „Nachhaltige biobasierte Büroartikel, Gütezeichen, Hersteller und Bedarfe der öffentlichen Hand“ steht auf www.fnr.de unter dem Förderkennzeichen 22002917 zur Verfügung, oder direkt unter “das nachwachsende Büro”: https://www.das-nachwachsende-buero.de/

Nicht nur Kommunen und Verwaltungen, sondern gerade auch die unzähligen privaten Unternehmen und Konsumenten, wie z. B. Schreibwarengeschäfte, sollten von diesen Angeboten Gebrauch machen.

1 Diese Kategorie umfasst ein breites Spektrum an Produkten von Aktenvernichtern über Klarsichthüllen bis Whiteboards.

Für Unternehmensführung mit mehr Wissen: Mit Europa Krisen trotzen

WAREN/MÜRITZ. Mehr Knowledge Management, innovatives Wissen, radikal aber Schritt für Schritt globalisieren – und das in einem sicheren Rechtsrahmen. Sozusagen ein innovativer Prozess, der auch Anlass zu Projektmanagement im eigenen Unternehmen bietet. Handelskonflikte, Brexit, Konjunkturdellen, eine bislang nur nationale Ausrichtung im Verkauf, Einkauf oder der Kooperation – dies alles muss auf dem Prüfstand zugunsten einer optimalen Aufstellung von Klein- und Mittelunternehmen im europäischen Binnenmarkt. Die Wirtschaft, insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, nimmt noch lange nicht alle Chancen wahr, die ihr der EU-Markt mit ca. 500 Mill. Verbrauchern bietet.

Hierzu soll ein in der Europäischen Akademie Mecklenburg-Vorpommern gehaltenes Tagesseminar am 2. Mai 2019 zum Thema “EU-Recht für KMU aus Deutschland” verhelfen – aufbereitet für Nicht-Juristen. Gerade in Zeiten einer möglicherweise nachlassenden Konjunktur sollen die Verkäufe, Umsätze, Gewinne und die Personaldecke in den Unternehmen wachsen. Dabei ist es gleich, ob ein Unternehmen Tourismus-, Finanz- oder Produktangebote dem Markt unterbreitet. Das Programm können unter www.ewiv.eu heruntergeladen werden; das Seminar “findet zu Ludwig Erhard’s Preisen” statt – eine bewusste Mittelstands-Maßnahme der Europäischen Akademie Mecklenburg-Vorpommern und des veranstaltenden LIBERTAS – Europäisches Institut GmbH aus Rangendingen/Baden-Württemberg bei Tübingen. Mit 25 Fragestellungen werden KMU in die Lage versetzt, ihre eigene Aufstellung auf dem europäischen Markt – der im EWR immerhin derzeit 31 Staaten ausmacht – vorzunehmen, sowie die EU geschickt in Wirtschaftsbeziehungen mit Drittländern, also Ländern außerhalb der EU in Gang zu setzen. Es kommt nur darauf an, dass man weiß, welche Chancen auch noch die kleinste Firma hat, sagt der Referent, der “Aha-Erlebnisse” verspricht für Unternehmen, Freiberufler, landwirtschaftliche Betriebe usw.

Am Donnerstag, dem 30. Mai 2019, findet ebenfalls ein ganztägiges Seminar statt, zum Thema “EU und ihr Potenzial für Unternehmensberater und öffentliche Wirtschaftsförderer”. In der Einladung steht dazu: “Halten Sie Ihre Mandanten an zu mehr Wettbewerbsfähigkeit, economy of scale, Innovation, besseres Verhalten am Markt – und zu mehr Umsätzen und Gewinnen – mit Hilfe der EU”. Hierzu sind insbesondere Rechts- und Steuerberater, Unternehmensberater, aber auch kommunale und Kreis-Wirtschaftsförderer geladen; dies ist quasi ein Aufbau-Workshop auf das erste Seminar. Auch hier: Einladung/Programm auf www.ewiv.eu. Referent beider Workshops ist Hans-Jürgen Zahorka, ehemaliger Europaabgeordneter, EU-Rechtler, Lehrbeauftragter z. Zt. an der Hochschule Anhalt, ehemaliger Bürochef der Italienischen Handelskammer für Baden-Württemberg, seit über 20 Jahren Regierungsberater für EU, World Bank, UNDP in Drittländern, und Leiter des Europäischen EWIV-Informationszentrums (EWIV ist eine EU-unmittelbare Rechtsform der Kooperation, die auch in deutsche Handelsregister eingetragen werden kann und z. B.. von Gewerbe- und Körperschaftssteuer befreit ist).

Die beiden Workshops sind direkt an Feiertage gelegt, so dass die Schönheiten des Müritzsees, ein anschließendes Seminar der Europäischen Akademie zu Herrenhäusern im Land, Kraniche und kulinarische Fischspezialitäten stressfrei davor oder danach genossen werden können – es sind auch schon Teilnehmer aus anderen Bundesländern sowie der EU angemeldet.

Projektideen gesucht: Emissionsarme Wärme aus Biomassefeuerungen; innovative biobasierte Schmierstoffe

Das deutsche Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) wirbt Projektideen zur Entwicklung innovativer, effizienter und emissionsarmer Biomasseanlagen ein. Der aktuelle Förderaufruf ist bis zum 30. April 2018 befristet. Projektvorschläge nimmt die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) entgegen. Mit dem jetzt vom Bundeslandwirtschaftsministerium veröffentlichten Forschungsaufruf sollen Vorhaben zur Treibhausgas (THG)- und zur Emissionsminderung bei Biomassefeuerungsanlagen initiiert werden.

Gesucht sind Vorhaben zur Entwicklung von Konzepten, Komponenten und Systemelementen für die Reduzierung der THG-Emissionen durch Maßnahmen zur Erhöhung der Biomassenutzungs- und Anlageneffizienz bzw. zur Anlagenentwicklung und –optimierung durch primäre und/oder sekundäre Maßnahmen, um den Schadstoffausstoß weiter zu vermindern.

Die Förderung entsprechender Forschungsprojekte bis hin zu Modellvorhaben und Feldversuchen zur Erprobung neu entwickelter Technologien und Verfahren erfolgt auf der Basis des Förderprogramms „Nachwachsende Rohstoffe“ des BMEL im Rahmen des Förderschwerpunkts „Bestimmung und Entwicklung von Technologien und Systemen zur Bioenergiegewinnung und -nutzung mit dem Ziel der weiteren Verbesserung von Treibhausgasbilanzen in den Haupteinsatzgebieten Strom, Wärme und Kraftstoffe“ des Energie- und Klimafonds (EKF). Grundvoraussetzungen für eine Förderung sind Projekte mit hohem Innovationsgrad und praxisorientiertem Bezug zu den Anforderungen des Marktes sowie eine angemessene Abgrenzung zu bisherigen Forschungsarbeiten. Vorhaben zur Grundlagenforschung ohne direkten Anwendungsbezug sind nicht förderfähig. Der vollständige Förderaufruf steht hier zur Verfügung. Projektvorschläge können bis zum 30.4.2018 bei der FNR eingereicht werden. Ansprechpartner bei der FNR ist Dr. Andrej Stanev; E-Mail: a.stanev@fnr.de

Quelle: FNR / Hardy Müller

Ein weiterer Förder- bzw. Forschungsaufruf betrifft innovative biobasierte Schmierstoffe: Das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) stellt mit seinem neuen Förderaufruf die Entwicklung und Erprobung innovativer biobasierter Schmierstoffe in den Fokus. Vom 1. November 2017 bis 30. April 2018 können Forschungseinrichtungen und Unternehmen entsprechende Projektvorschläge bei der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) einreichen. Mit seinem aktuellen Aufruf wirbt das BMEL Projektideen für die Entwicklung von Bioschmierstoffen ein, die gegenüber den bereits am Markt etablierten biogenen Schmierstoffen in Eigenschaftsprofilen und Preis Vorteile bieten. Gesucht sind Lösungsansätze zur Herstellung und Verarbeitung von Bioschmierstoffen zu Produkten mit einer hohen Wertschöpfung und deren Anwendung im High-Performance-Bereich. Die neuen Entwicklungen können sowohl die biobasierten Grundflüssigkeiten als auch biobasierte Additive betreffen. Die Sortengruppen Hydrauliköle, Getriebeöle, Metallbearbeitungsöle und Schmierfette sollen besonders berücksichtigt werden.

Die Förderung entsprechender Forschungsprojekte erfolgt auf der Basis des Förderprogramms „Nachwachsende Rohstoffe“ des BMEL im Rahmen des Förderschwerpunkts „Verarbeitung biogener Rohstoffe zu Zwischen- und insbesondere Endprodukten“.

Die Forschungs- und Entwicklungsprojekte müssen verdeutlichen, dass sie die Markterfordernisse ausreichend berücksichtigen. Dies kann durch eine Kompetenzbündelung von Forschung und Anwendungsindustrie gewährleistet werden. Eine angemessene Beteiligung der gewerblichen Wirtschaft an den Projekten ist erforderlich. Der vollständige Förderaufruf steht hier zur Verfügung. Projektvorschläge können vom 1.11.2017 bis zum 30.4.2018 bei der FNR eingereicht werden.